Du bist also ein Sportler der am Wochenende an der Startlinie steht und wie fast alle anderen nicht gewinnt?  Nun, wenn 200 Fahrer am Start stehen, kann nur eine sehr kleine Menge gewinnen. Für Außenstehende eine unmögliche Situation und diese würden nicht daran denken dort überhaupt zu starten. Über deren Gründe kann ich spekulieren, da ich ja zu denen gehöre, die es trotzdem wagen.

Versuch macht klug !

Das Stockerl ist trotz unrealistischer Mentaleinstellung denkbar weit weg. Es immer wieder zu versuchen, durch einen Antrieb, der stärker ist, als die Enttäuschung über vielleicht zu hohe Ziele. Worauf ich aber hinaus will, Achtung Phrasenschwein, aus Fehlern lernt man. Und strenggenommen sind es meist nicht mal Fehler, es fehlt einfach an Leistung. Unglaublich viele Dinge gibt es zu optimieren, die manch andere vielleicht aus Talent besser machen. Aber dieser Prozess macht den Sport, oder besser den Leistungssport, aus. Und bei jeder Optimierung muss ich den Status Quo bestimmen, also wo stehe ich jetzt, dann wo will ich hin und wie mache ich das am besten.

Der FTP – Test

Als ambitionierte Radsportler oder auch Läufer, hast Du ein Powermeter am Rad oder Schuh, der eine Unmenge Daten auswirft. Diese lassen sich auch prima diagnostisch verwenden und geben Dir Einblick in deine Leistungsfähigkeit. Wahrscheinlich ist Dir der Begriff der FTP, der Funktional Threshold Power, bekannt. Diese ist, je nachdem wen Du fragst, eine Definition für Deine Leistung, die Du über 60min treten kannst, oder, nach aktueller Trainings Peaks Definition, (meist mit Dr. Andy Coggan in Verbindung gebracht https://www.trainingpeaks.com/blog/what-is-threshold-power/ ) der Laktat-SteadyState, also der Bereich in dem genau so viel Laktat auf, wie auch abgebaut wird.  Oder anders gesagt, die Anaerobe Schwelle.

Wie Du zu diesen Werten kommst beschreibe ich in einem anderen Artikel. Aber die Frage bleibt: Was für Schlüsse ziehe ich aus der FTP?

Der Wert der Funktionalen Schwelle ist ein lieb gewonnener Wert, der aber deutlich in die Jahre gekommen ist. Im Grunde sagt der auch nicht mal die genaue physiologische Leistungsfähigkeit des Athleten voraus. Denn die Leistung ist immer ein Mix aus aeroben und ergänzenden oder auch mal konkurrierenden anaeroben, glykolytischen Stoffwechselwegen. Und je nach genauer Disziplin spielen bestimmte Profile, also Verhältnisse aus diesen eine wesentliche Rolle.

Die maximale Sauerstoffaufnahme

Die aeroben Fähigkeiten lassen sich am besten durch den VO2max Wert, also das Volumen an Sauerstoff, das unter maximalen Bedingungen umgesetzt werden kann, darstellen. Dies dann bezogen in Milliliter, pro Kilogramm, pro Minute. Otto Normal Mann hat Werte um die 30-50 ml/kg/min, Amateur Radsportler schon 50-65 ml/kg/min und die Profis in Radsport oder Skilanglauf liegen eher über 70, bis extreme Beispiele bis 90 ml/kg/min. In diesen Höhen sicher genetisch vorbestimmt, aber in großen und ganzen ist die VO2max gut trainierbar. Je größer hier der Hubraum, umso besser laufen alle anderen Prozesse, auch die glykolytischen.

Und der anaerobe Part

Der Unterschied zwischen Amateuren und Profis ist bei der VO2max übrigens gar nicht so groß, manchmal sogar ähnlich. Und trotzdem ist die Leistung der Profis oft erheblich stärker.
Das lässt sich durch deutlich bessere glykolytische Stoffwechselwege erklären. Dargestellt wird die glykolytische Kapazität, also ohne Sauerstoff unter Laktatbildung, über die Laktatbildungsrate (VLamax). Also wie schnell und hoch steigt dieser Laktatwert nach einer Belastung an.

Kurz dazu: Laktat (oder im Prozess, das Pyruvat) ist erstmal nicht für den Abbruch der Belastung verantwortlich, sondern eigentlich sogar ein Zusatzbrennstoff, der viel schneller zur Verfügung steht und stattdessen (aerob) verstoffwechselt wir. Wird dieses jedoch auch nicht abgebaut, kommt es zu einer Häufung von H+ – Ionen die dann doch den pH-Wert des Muskels beeinträchtigen und den Fahrer zum Abbruch zwingen.

Stoffwechsel modellieren

Das schöne nun, auch die Vlamax ist trainierbar bzw. modifizierbar. Ein spezifisches Wissen dieses Trainings oder sagen wir besser über die Modellierung von Stoffwechselprozessen ist seit ca dem Jahr 2000 Thema in verschiedenen Studien. Praktisch und extrem erfolgreich angewandt wird es von Trainern wie Sebastian Weber bei Profi-Teams wie  HTC-Highroad, Katusha und heute bei Team Bora. Auch Dan Lorang, als Trainer von Jan Frodeno und Anne Haug, nutzt dieses System im Triathlon. Das super erfolgreiche Institut Staps aus Köln hat diese Form der Diagnostik auch auf dem Markt etabliert und wir konnten hier in den letzten Jahren daran partizipieren.

Das Testverfahren lässt viel tiefer und genauer in den Stoffwechsel blicken, als bisherige Diagnostiken. Du erhältst quasi einen Rundumblick über aeroben und anaeroben Stoffwechsel, also VO2Max und Laktat-Bildungsrate. Simulationen und Werte zu Laktat Auf- und Abbauraten um Training extrem genau zu beschreiben und wirksam zu machen. Auch genaue Werte zu Fett- und Kohlenhydratverbrauch in Training und vor allem im Wettkampf. Damit habe ich die Möglichkeit genaue Vorgaben für die Nahrungsaufnahme im Wettkampf zu errechnen und letztlich sogar Wettkampfzeiten zu prognostizieren. Ein wirksames Training war denke ich noch nie so genau auf den jeweiligen physiologischen Stoffwechsel zu beschreiben.

Da wären wir wieder an der Startlinie. Ich kann schon in der Simulation erkennen, dass das nicht fürs Podium reicht….oder aber an den Stellschrauben trainieren die mich dort hinbringen. Was wiederum ein deutlich effektiveres Training bedeutet, in dem weniger Junk-Kilometer trainiert werden und zu mehr Zufriedenheit führt, weil ich weiß was ich tue.

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